Bischkek: Kascha, Chicken & Komasaufen

Verschnupft und von einem Lastwagen überrollt, dass sind meine Mitbringsel aus der Hauptstadt Kirgisistans. Obwohl das Thermometer 15 Grad anzeigte, fegte ein eisiger Wind durch die Straßen und kroch uns unter die Kleidung. Dieser wechselte sich mit warmen Sonnenstrahlen ab und verführte uns, die Mützen von uns zu werfen, die Jacken zu öffnen und die Sonnenbrillen auf die Nasenspitze zu setzen. Diese Mischung plus die Klimaanlage des Flugzeuges – das war wohl keine gute Kombination für meinen Körper.

Unterschlüpfen durften wir netterweise beim Bischkeker Bosch-Lektor, der uns nicht nur ein super leckeres Kascha zum Frühstück zubereitete, sondern auch zahlreiche Tipps für unsere Stadttour hatte.

Bischkek – das fällt sofort ins Auge – ist eine ganz andere Welt als Osch. Nicht nur summt es an jeder Ecke Russisch, sondern auch die Kleidung der Menschen hier ist westlicher/russischer. Die traditionellen Hüte werden ebenso weniger getragen wie die typischen Westen mit farbenfrohen Ornamenten oder gar Kopftücher. Restaurants internationaler Küche wie das Chicken Star (sehr zu empfehlen, wer einmal koreanische Küche ausprobieren möchte!), schmackhaftes Frühstück im hippen Bublik und rockige Coverbands in unscheinbaren Kneipen, in denen sich die Kirgisen auch mal in aller Öffentlichkeit im wahrsten Sinne des Worte ins Koma saufen, lassen sich vor allem im Stadtkern finden.

Der Ala-too-Platz bildet das Zentrum Bischkeks, auf dem ein Denkmal des legendären Nationalhelden Manas steht. Von dort bietet es sich an, einmal den breiten Boulevard nach rechts bis zum Kaufhaus ZUM abzulaufen, im Zick-Zack durch die Parks zurück und weiter am Boulevard entlang bis zum Bazar. So hakt man mit einem Mal alle wichtigen Sehenswürdigkeiten ab: das weiße Haus (Parlament), das Historische Nationalmuseum (zur Zeit wegen Renovierungen geschlossen), der Panfilov-Stadtpark, das Spartak-Stadion, das Mikhail-Frunse-Museum, der Skulpturenpark…

Die marmorverkleideten, öffentlichen, im sowjetischen Stil gebauten Gebäude blenden im Sonnenschein, die dröhnenden Wohnblocks versuchen durch abblätternde Farben, schiefen Balkonen und verschnörkelten Zeichen ein wenig Abwechslung in das ansonsten eintönige, graue Stadtzentrum zu bringen. Zumindest die zahllosen Grünflächen und Bäume versprechen im Sommer der Stadt ein lebendiges Flair zu geben. Mit ein wenig Glück wird man auch mal mit guter Sicht belohnt und erhascht einen Blick auf das Tien Shan Gebirge.

Ansonsten hat Bischkek nicht allzu viel zu bieten. Ein Grund mag sein, dass es eine vergleichsweise recht junge Stadt ist und keine nennenswerten historischen Gebäude aufweisen kann. Selbst für einen gemütlichen Schlendergang genügt ein Tag Sightseeing völlig aus. Ausgiebiges Souvenirshoppen inklusive. Ein Besuch auf den Bazar lohnt sich aber auf jeden Fall, für rund 500 Som hat man dort die Qual der Wahl für ein komplettes Teeservice und bekommt meiner Meinung nach mehr Flair als in Osch, Uzgen oder Dschalalabad geboten. Auch das Kulturprogramm kann sich sehen lassen – hier kann man auch mal englische Blockbuster sehen und muss nicht seinen eigenen Film mitbringen und gleich den ganzen Saal mieten, wenn man mal ins Kino möchte. Wer also nach längerer Abstinenz nach kulturellem Programm dürstet, wird auf jeden Fall in Bischkek fündig.

Noch ein Hinweis zur Anreise:
Vom Internationalen Flughafen Manas, der etwas mehr als 20 km vor der Stadt liegt, kommt man entweder mit dem Taxi oder einer Marshrutka ins Zentrum. Ein Taxi kostet etwa 500 Som, nachts berechnen die Fahrer meist ein wenig mehr, ca. 600 Som. Auf mehr sollte man sich nicht einlassen, auch wenn die Verhandlungen oft bei 1000 Som beginnen. Die Marshrutka kostet 50 Som und fährt am Osh-Bazar vorbei. Tagsüber fahren alle 10 bis 20 Minuten solche kleinen Busse, abends seltener, gegen 22 Uhr fuhr noch einer ab, sehr viel später wird es wohl aber eher unwahrscheinlich. Die Marshrutkas parken direkt am Ausgang, man muss sich nur erst einmal erfolgreich durch die Taxifahrer kämpfen.

Flugtickets von bspw. Osch nach Bischkek kosten zwischen 2.000 und 3.500 Som und können fast an jeder Straßenecke in einer dieser sogenannten Aviakassas (Reisebüros) kurzfristig erstanden werden. So haben wir auch unser Rückflugticket erst in Bischkek gekauft, da wir uns zunächst ein Bild von der Stadt machen wollten, um dann zu entscheiden, wie lange wir bleiben wollen. Wie immer empfiehlt es sich in Kirgisistan, aber auch in den anderen Ländern Zentralasiens, so flexibel wie möglich zu bleiben, auch und meiner Erfahrung nach gerade bei Reiseplänen.

 

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