Verliebt in Kirgisistan: Abenteuer Arslanbob

Der Frühling streckt nun endlich zaghaft seine Fühler hervor und ich habe mich verliebt.

Wenn ich die Augen schließe, spüre ich noch immer die starken Muskeln des Pferdes, das mich durch die dicke Schneedecke trug. Ich höre das Plätschern des kleinen Baches, der sich hinter unserer Schlafstätte seinen Weg bahnte, höre das Knistern der Holzscheite im Kamin und die verlorenen Schreie eines Esels. Wütendes Bellen und schnatternde Enten vermischen sich dem schweren Schnaufen unserer Rosse. Ich spüre, wie die eisige Kälte nach mir greift, als wir bei Minus 10 Grad in Sekundenschnelle uns notdürftig im Hof waschen und wie der Schnee unter mir knarrt auf dem Weg zum Verschlag, der sich Stilles Örtchen nennt.

Ich bin in Arslanbob, ein kleines Dorf inmitten von Wallnusswäldern und Viertausendern umgeben. Untergekommen sind wir bei einer usbekischen Familie, die uns mit einer unglaublichen Herzlichkeit willkommen heißt und trotz sprachlicher Hürden versucht, uns jeden Wunsch zu erfüllen. Das aufgetischte Essen ist nicht nur wahnsinnig lecker, vielfältig und reichlich, sondern schmeckt auch nach „mit viel Liebe gemacht“.  Die obligatorischen Wallnüsse hinterlassen einen etwas bitteren Geschmack, doch die Süße der selbstgemachten Heidelbeermarmelade scheucht diesen wieder weg.

Unerwartet pünktlich tauchen am Morgen unsere beiden Guides mit den Pferden auf. Vor uns liegt ein fünfstündiger Ritt durch Arslanbob und die nähere Umgebung bis zum kleinen Wasserfall. Leider ist es nicht möglich den Ausflug in die Wälder und zum großen Wasserfall auszudehnen – der Schnee türmt sich dort noch Schulterhoch. Zu schade, dass wir einen extrem langen Winter für unseren Besuch erwischt haben. Schon jetzt sprüht der Ort vor Magie, wie muss es dann erst sein, wenn alles erblüht oder der warme Sommerwind einem um die Nase streicht?

Obwohl das Wetter wieder einmal uns nicht ganz wohlgesinnt ist und es zwischenzeitlich schneit, machen wir uns auf den Weg. In Uzgen haben wir beiden blonden Mädel bereits für Aufmerksamkeit gesorgt, aber hier, hoch zu Ross werden wir mit „Hello“, „Salam“, neugieren Blicken und lächelnden Worten bereits von Weitem begrüßt. Die Männer hacken das Eis von den Wegen und belächeln uns spöttisch. Generell heißt es hier, dass Frauen nicht reiten können und tatsächlich habe ich bisher noch keine kirgisische Frau auf einem Pferd gesehen – von (weiblichen) Ausländern wird scheinbar noch weniger Talent erwartet. Die Frauen huschen an uns vorbei, meist ist ihr Blick gesenkt und beim Anblick der Guides bedecken sie mit dem Ende ihres Kopftuches schnell Mund und Nase.

Nach einiger Zeit lassen wir das Dorf hinter uns und begeben uns bergauf. Unterwegs treffen wir zwei Männer, die in den Tiefen des Schnees, auf halber Anhöhe, beten. Die Pferde beginnen zu schwitzen, sie ackern, stampfen und rutschen den Berg hinauf. Bald haben wir einen wunderbaren Blick auf das Tal und die Bergkette uns gegenüber. Mich beflügelt ein Gefühl unbändiger Freude, nicht einzufangendes Glücks, überschäumender Lebenslust. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das alles nur träume, doch wenn, dann möchte ich nie mehr aufwachen.

Der Rückweg führt uns am kleinen Wasserfall vorbei. Wir steigen von unseren Rossen ab und nähern uns dem sprühenden Wasser. Riesige Eiszapfen hängen von der Bergwand. Das Sicherheitsgeländer ist unter der Last des Schnees eingedrückt und Geröll liegt auf dem Weg, das uns zum Schlingern bringt. Eine willkommene Teepause stärkt und wärmt uns. Zu schnell sind wir wieder auf dem kleinen Hof zurück. Etwas steif und ungelenk verabschieden wir uns von den Vierbeinern. Der Wunsch noch länger mit ihnen unterwegs sein zu können, streitet sich mit den zu Eis gefrorenen Fußzehen und Fingerspitzen. Am Ofen, unter Decken eingekuschelt, schleicht sich schließlich eine bleiernde Müdigkeit ein und wir fangen an zu träumen von einem weiteren Ritt durch die Schönheit Kirgisiens. Und ich bin verliebt.

Hintergrundinfos:

Es gibt eine direkte Verbindung von Osch nach Arslanbob, jedoch nur zweimal am Tag. Da wir etwas flexibler unsere Zeit gestalten wollten, hatten wir uns für folgende Route entschlossen: Osch – Dschalalabad – Bazar-Kurgan – Arslanbob. Die Fahrtzeit dauert ca. 5 Stunden. In Dschalalabad haben wir eine kurze Mittagspause eingelegt und sind über den Bazar geschlendert, aber da es sonst nicht so viel zu sehen gab, sind wir bald weiter gefahren. Bazar-Kurgan bieten außer einem wunderschönen Blick auf die Berge nur Autos zum Verkauf. Ansonsten ist nur noch zu sagen: Genießt die Fahrt! Allein diese ist bereits mehr als lohnenswert!

In Arslanbob war unsere erste Anlaufstelle der CBT. Am Tag zuvor hatten wir uns bereits telefonisch bei der Touristeninformation angemeldet. Etwas versteckt in einem Hof wurden wir schließlich vom Leiter selbst begrüßt. Da wir bereits vorgewarnt wurden, dass er ein kleines Schlitzohr ist und gern versucht noch diverse Extras anzudrehen, blieben wir auf der Hut. Auch während des Ausritts wurde uns mehrfach eine Essenspause angeboten, für die wir hätten zusätzlich zahlen müssen. Man sollte sich also vorab mit seinen Reisebegleitern absprechen, was gewollt wird und was nicht, um nicht erst in irgendwelche Verlegenheiten zu kommen.

Kostenübersicht:

Fahrt mit der Marshrutka von…
Osch – Dschalalabad 120 Som
Dschalalabad – Bazar-Kurgan 28 Som
Bazar-Kurgan – Arslanbob 60 Som

1 Übernachtung inkl. Frühstück und Nachmittagstee 700 Som
Abendessen 200 Som

(Die Preise verstehen sich p. P.)

5stündiger Ausritt mit 3 Pferden & 2 Guides 4200 Som

 

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