Strandurlaub mit Jane Austen

Strandgut, Sonnenstrahlen, Glücksmomente. All das kann man in einem kleinen süßen Badeort an der Küste Englands finden: Lyme Regis.

Bereits der Weg dorthin versetzte uns zeitweise in helle Begeisterung. Selbst D., die sich grundsätzlich weigert mit einer Kamera vor der Nase im Urlaub rumzurennen und wahrscheinlich das ein oder andere Mal die Augen verdrehte, weil ich schon wieder stehen blieb um auf den Abzug zu drücken, schimpfte laut los, ich solle endlich Fotos von der Landschaft machen. Kurzerhand drückte sie auf die Bremse und hielt am Standstreifen, damit ich mich nicht weiter verrenken musste. Und wir waren nicht die einzigen, die dieser Eingebung folgten…

Von Salisbury aus benötigten wir etwa 2,5 Stunden bis Lyme Regis. Leider hatten wir das Pech mehrfach hinter einem Oldtimer fahren zu müssen und Überholen war oft nicht drin.

Nachdem sich unser kleines Auto kurvenreich Hügel auf und Hügel ab gekämpft hatte, stiegen wir erleichtert aus. Es gibt nur eine Hauptstraße die zum Ort und durch den Ort führt, der Parkplatz für Besucher ist also nicht zu verfehlen. Von dort aus gibt es dann zwei Möglichkeiten: Entweder man läuft die Hauptstraße entlang Richtung Meer oder man nimmt die vielen Stufen, die hinter dem Toilettenhäuschen beginnen und steigt direkt am Küstenrand ab. Trotz des etwas mühsameren Weges würde ich auf jeden Fall letztere Variante empfehlen. Die Aussicht lohnt sich!

Unten angekommen, führt links der Weg entlang der Kreideklippen während es rechts zum Ort geht. Da unsere Zeit recht knapp bemessen war, entschieden wir uns gegen eine kleine Küstenwanderung. Zudem brannte die Sonne auf uns nieder und D. nahm immer mehr eine tomatenartige Färbung an – trotz ständiger Eincremerei.

Der Grund für unseren Besuch: Jane Austen verbrachte hier zwei Mal ihren Sommerurlaub und verwendete unter anderem die Kaimauer als literarischen Schauplatz. Das wollten wir uns einmal genauer ansehen.

Der Ort ist klein, überschaubar. Badegäste drängeln sich aneinander wie die Fish and Chips Buden. Bunte kleine Badehäuschen säumen den Strandrand und am Cobb, der Kaimauer, tummeln sich kleine Boote.

„Da an den Gebäuden nichts zu bewundern war, wurde das Auge des Fremden von der eigenartigen Lage der Stadt angezogen, von der Hauptstraße, die geradewegs ins Wasser zu führen schien, dem Weg zur Kaimauer, welche die hübsche kleine, während der Saison von Badekarren und Menschen bevölkerte Bucht umgürtet, von der Kaimauer selbst und ihren vielfältigen Verbesserungen und von der wundervollen Felsenkette, die den Osten der Stadt krönt“ (J.A., Anne Elliot, S.265).

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Unser vorrangiges Ziel war der Cobb und die Treppe, von der Louisa einst sprang, aber nicht von Kapitän Wentworth rechtzeitig aufgefangen wurde. Das Drama nahm seinen Lauf… Also schlenderten wir an den zahlreichen halbbekleideten Menschen vorbei, sogen gierig die Meeresluft ein, klopften an Kapitän Benwicks Tür und balancierten auf der Kaimauer unserem Ziel entgegen.

Wieder einmal zeigte sich, wir hätten vorher gründlicher recherchieren sollen. Die Treppe fanden wir zwar, aber eben nicht nur die, sondern auch alle anderen, die es auf dem Cobb gibt. Welche war denn nun die richtige? Wir wollten doch unbedingt ein Foto von uns mit dieser Treppe haben… Erst viel später, als ich bereits wieder in Deutschland war, stellte sich heraus, dass wir zwar jeweils ein tolles Foto von uns und einer Treppe haben, nur nicht von der richtigen. Was soll ich dazu noch sagen?

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Leider hatten wir uns zudem zeitlich extrem verschätzt – was nicht das letzte Mal sein sollte. Das kleine Museum zu Jane Austen war bereits geschlossen und eigentlich sollten wir in einer Stunde in Bath, bei unserer nächsten Übernachtungsstation, ankommen. Zu gern hätte ich einmal meine Fußzehen durch den Sand gewühlt und mit einer nach Fett triefenden Tüte Fish and Chips Möwen gezählt. Stattdessen begaben wir uns schnaufend die Hauptstraße zum Parkplatz hoch und verließen doch recht unbefriedigt diesen Ort mit dem stillen Versprechen hier unbedingt einmal länger Urlaub zu machen. Denn schon Jane Austen hielt die Sommerfrische hier mehr als schick:

„Der Gedanke, dass es elegante Badeorte in Mecklenburg geben sollte! Glauben die Leute dort allen Ernstes, sie seien auf der Höhe der Zeit? Außerhalb Englands zu baden!“ (J.A. in einem Brief von 1813)

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