Salisbury, die Stadt auf dem Land

8 Meilen von Stonehenge entfernt liegt eine Stadt, deren Name korrekt auszusprechen bereits eine wahre Zauberkunst für nicht-Briten ist.

Salisbury, Salbury, Salsbry… Salbrie. Mit ein wenig Übung verstanden auch meine Arbeitskollegen irgendwann, welche Stadt ich da besucht hatte.cimg6715

Salisbury ist vor allem durch eine der vier noch erhaltenen Magna Charta bekannt, die die Grundlage für die spätere unabhängige Legislative wurde. Für mich ein Grund, diesen Ort zu besichtigen.

Es gibt außerhalb der Stadt einen Parkplatz mit Shuttle-Service für Touristen. Wir entschieden uns jedoch zunächst dagegen, so optimistisch waren wir einen geeigneten Parkplatz zu finden. Kurz vor dem Zentrum wurde unser Optimismus belohnt: ein riesiger Parkplatz, keine fünf Minuten vom Zentrum entfernt, Parken den ganzen Tag erlaubt, am Wochenende zahlt man nur eine maximale Gebühr (wie viel habe ich leider vergessen, aber es war definitiv nicht mehr als drei Pfund) und nicht pro Stunde. Glück gehabt. Auf dem Touristenparkplatz hätten wir sicherlich mehr zahlen müssen.

Da wir keinen Stadtplan dabei und uns vorher nicht wirklich damit auseinandergesetzt hatten, was denn hier nun eigentlich ein Must-See ist (außer der Magna Charta), strebten wir zunächst die Touristeninformation an. Diese begrüßte uns mit einer gähnenden Leere. Während D. sich auf die abenteuerliche Suche nach einer Toilette machte und von den Schildern in die Irre führen ließ (Wo blieb sie denn nur?), ließ ich mir einen Schwall an Informationen von der begeisterten Frau hinter dem Schalter übergießen. Kurz entschlossen kaufte ich zwei Tickets für einen Stadtrundgang, damit wir einen ersten Überblick erhalten konnten.

Nach fünfzehn Minuten war auch eine erleichterte D. wieder da und ein kleiner Mann mit einem Kugelbauch stand wippend vor uns. Mit einem Tuch tupfte er sich den Schweiß von der Stirn und mir kamen leichte Bedenken. Wo waren nur all die anderen Touristen? Anscheinend waren wir die einzigen uninformierten, interessierten Besucher. Doch zum Glück entpuppte sich die Stadtführung als Glücksgriff. Wir erfuhren extrem viel über die Geschichte Salisburys, deren Architektur (ich sage nur TIMBER!) und erhielten den ein oder anderen Tipp. Wir durften uns das alte Kino von Innen ansehen, einen unglaublich hübschen Pub besichtigen (leider habe ich davon keine Bilder gemacht, ich war einfach zu sehr mit gucken und zuhören beschäftigt) und immer wieder versicherte sich der kleine Mann, ob wir auch alles verstanden haben, Fragen hätten.

Die Tour dauerte 1,5 Stunden, vor der Salisbury Cathedral wurden wir schließlich entlassen. Die Sonne zwängte sich immer wieder zwischen der dicken Wolkendecke hervor, langsam wurde es wärmer. Da D. die Füße schmerzten, ich aber noch voller Tatendrang war, gab ich D. am Cathedral Café ab und spazierte in die Kathedrale. Ein riesiger, bedrohlich wirkender Schalter steht direkt vor dem Eingang. Zum Glück hatte uns unser Guide gewarnt, der Eintritt ist nämlich kostenlos, doch viele Touristen fallen darauf ein und bezahlen die an der Tafel geforderte Gebühr, die eigentlich nur eine freiwillige Spende ist. Einfach daran vorbei gehen, keine Sorge, es wird sich niemand auf euch stürzen und in die Hölle werfen.

Nachdem ich in den letzten Wochen bereits so viele unzählige Kathedralen besichtigt hatte, konnte mich diese hier nicht mehr wirklich beeindrucken. Nach einer kurzen Runde stellte ich mich in die lange Schlange zur Magna Charta an. Auch hier wurde ich wieder enttäuscht. Durch den großen Andrang war es nicht möglich länger als ein, zwei Minuten einen Blick auf dieses Stück Papier zu werfen. Es liegt hinter einem dicken Glaskasten, abgedunkelt, mit mehreren Kameras und einem Wachmann gesichert. Dieser antwortete freundlich auf die Fragen der neugierigen Touristen und achtete sorgsam darauf, dass niemand ein Foto von diesem wertvollem Gegenstand macht. Hinterher dachte ich mir nur, gut jetzt kannst du wieder was abhaken, einmal sehen reicht.

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Also gesellte ich mich schnell zu D. und verdrückte ein trockenes Sandwich. Im Anschluss schlenderten wir noch ein wenig durch den Stadtpark, indem eine Musikveranstaltung stattfand und plötzlich befanden wir uns, ja wo? Außerhalb der Stadt?

Ein netter Herr erklärte uns, dies sei der Weg zur alten Mühle, die heute ein Pub und Gästehaus ist. Wir folgten dem Weg und fanden ein Kleinod. Kinder spielten im River Avon, Erwachsene tranken lachend Ale, Hunde jagten sich bellend. So abgelegen dieser Ort auch erschien, gehört er dennoch zu Salisbury. Jetzt verstand ich auch, warum die Briten sagen, dass Salisbury die Stadt auf dem Land ist.

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Das Zentrum ist klein und überschaubar. Unzählige Pubs laden zum Verweilen ein, mehrere Museen bieten Schutz vor Regenschauern und für das Shoppingherz ist auch alles dabei. Eine hübsche kleine Stadt eben und für einen (Halb-)Tagesausflug perfekt.

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6 Gedanken zu “Salisbury, die Stadt auf dem Land

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