Oh What A Night

Ein Muss in London ist der Besuch von Musicals. Die Auswahl ist gigantisch, die Wahl fällt schwer. Glücklicherweise musste ich diese wichtige Entscheidung nicht allein treffen – meine Lieblingskollegin kam zu Besuch.

Letztendlich viel unsere Entscheidung auf Jersey Boys, da wir beide Fans des Rock, Pop, Rock’n’Roll und Doo Wop der 50iger und 60iger Jahre sind.

Die Karten hatte ich bereits im Vorfeld geholt. Laut Erklärung würden wir in der zweiten Reihe sitzen. Für den Preis ein echtes Schnäppchen, dachte ich. Nun, am Ende saßen wir auch in der zweiten Reihe, in der zweiten Reihe von Hinten. Da musste ich wohl irgendwas falsch verstanden haben…

Die Show fand im Piccadilly Theatre statt. Der Name täuscht aber etwas, denn das Theater liegt nicht direkt am Piccadilly Circus, sondern in einer Nebenstraße. Ein wenig eher zu kommen lohnt, wenn man nicht genau weiß wo es liegt. Die Tube Station Piccadilly bietet nämlich zich Ausgänge (Ausgang 2 nehmen hilft!), die bunten Lichtreklamen, Souvenirstände und Menschenmassen machen es nicht leicht, sich beim ersten Mal im Gewühl zurecht zu finden.

Vor der Show bietet sich die Möglichkeit in der hauseigenen Bar auf den Abend anzustoßen. Wer auch nach der Pause den Beschwipstheitszustand beibehalten möchte, kann direkt die Getränke mitbestellen, die stehen später zur Abholung bereit und lästiges Warten bleibt einem erspart.

Mit Sekt und Cosmopolitan stießen wir dann auch auf unseren ersten gemeinsamen Abend in London und auf unseren kommenden Roadtrip an. Mein Kleid bekam vom Cosmo auch noch einen ordentlichen Schluck ab (der war aber auch bis zum letzten Rand gefüllt!), sodass ich kurz darauf frisch getauft den Saal betreten konnte.

Jersey Boys ist ein mit mehreren Theaterpreisen ausgezeichnetes Broadway Musical, das bereits in der ganzen Welt auf Tournee war. Die Story, ein biografisches Drama, handelt von der bewegenden Bandgeschichte der Four Seasons, die im Grunde schnell abgehakt ist. Es ist die Erzählung eines ständigen Auf und Abs, der ständigen Änderungen des Bandnamens, dem ständigen Wechsel von Bandmitgliedern und der Entstehung von weltbekannten Songs wie You’re the Apple of My Eye, Sherry, Big Girls Don’t Cry, Walk Like a Man, December 1963 (Oh What a Night) oder Can’t Take My Eyes Off You. Die Handlung umfasst drei Jahrzehnte von der Gründung der Band bis zu ihrer Aufnahme im Jahr 1990 in die Rock and Roll Hall of Fame.

Die Musik ist klasse, die Story interessant, aber ein richtiges Musicalfeeling entsteht leider nicht. Es ist mehr ein Hinter-den-Kulissen-Drama, eine musikalische Zeitreise. Es fehlt die Tiefe der Geschichte, dass hineingezogen werden in das Geschehen. Es entsteht eine Boygroup-Nostalgie mit vielen Klischees über eine Kult-Popband.

Wer auf ein Musical á la König der Löwen, Les Misérables oder das Phantom der Oper hofft, wird sehr wahrscheinlich enttäuscht nach Hause gehen. Wer jedoch vordergründig noch einmal seine Jugend aufleben lassen, zur Musik tanzen, singen, lachen und träumen möchte, ist hier richtig.

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