Winchester: Von Tiefseetauchern, Merlin & Jane Austen

Während ich aus dem Fenster und auf die gegenüberliegende Häuserwand starre, wandern meine Gedanken zurück zu einem sonnigen Montag in London. Der Marshmallowman stürzte gerade die Waterloo Station ins „Chaos“ und ich befand mich auf den Weg in ein Kleinod: Winchester.

Südwestlich, nur etwa eine Stunde mit dem Zug von London gelegen, besticht Winchester, das einst ein Zentrum der Kirche und der Wollindustrie war, noch heute mit seiner Kathedrale und dem Palas (Winchester Castle), eine der ersten Burgen von William the Conqueror, die heute den legendären Round Table beherbergt, an dem angeblich König Artus seine Tafelrunde abgehalten haben soll. Allerdings hatte Zauberer Merlin wenig mit seiner Herstellung zu tun, stattdessen stammt der Tisch nachweislich aus dem 13. Jahrhundert.

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Der Weg vom Bahnhof führt einem auf geradem Wege zum Palas. Für den Eintritt in die Great Hall wird eine Spende erbeten – ist aber kein Muss (Man sollte sich nicht von den an der Tür, hinter einem Tisch sitzenden „Wachhunden“ einschüchtern lassen. Sie beißen nicht, wenn die 3 Pfund vorgeschlagene Spende einfach nicht aus eurem Portmonee purzeln will).

Die Great Hall ist eine der größten und wohl schönsten Englands, und eine der best erhaltensten. Neben dem beeindruckendem Round Table, können Bundglasfenster, eine Namensgalerie aller je amtierenden Richter Winchesters und die gefakten Schmiedestahltore bewundert werden. Gefakte, weil diese zu Gedenken an die Hochzeit von Prinz Charles und Lady Diana 1983 eingebaut wurden. Aber wer das nicht weiß…

Anschließend führt der Weg bergab ins Stadtzentrum. Die Main Street (die, mit den meisten Läden) ist eigentlich nicht zu verfehlen und gleicht wie vielen anderen Kleinstädten mit ihren Fußgängerzonen.

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Etwa in der Mitte der Main Street, nach rechts wendend durch die Gassen schlendernd (oder einfach der Beschilderung folgend), erhebt sich die Winchester Kathedrale – auch sie hat mich architektonisch stark beeindruckt.

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Anfang des 20. Jahrhundert schien es, als würde der östliche Teil der Kathedrale einstürzen, da der Grundwasserspiegel sehr hoch liegt und das Fundament über die Jahrhunderte immer mehr einsacken ließ. Die Arbeit, das Fundament zu festigen, musste daher unter Wasser ausgeführt werden. Aus diesem Grund schichtete der Tiefseetaucher Walker von 1906 bis 1911 täglich sechs Stunden lang Zementsäcke unter die heiligen Mauern. Und aus diesem Grund findet man nicht nur Grabstätten, heilige Bilder und was sonst noch alles zum Inventar einer Kirche, pardon Kathedrale, gehört, sondern auch einen Tiefseetaucherhelm – den, den Walker fünf Jahre lang getragen hat.

Für die Janies unter uns, ganz wichtig, Winchester Cathedral ist die letzte Ruhestätte von Jane Austen. Das Grab sowie die Denkmalstätte sind nicht zu übersehen. Eine kleine Ausstellung zu ihrem Leben begleitet das Ganze.

Nur wenige Minuten von der Kathedrale entfernt, befindet sich das Haus, in dem Jane Austen ihre letzten Wochen mit Schwester Cassandra verbracht hat. Es ist gelb, es ist dreistöckig, wenig beeindruckend und nicht zugänglich. Außer einer kleinen Plakette erinnert nichts an die bedeutende Autorin. Enttäuschend.

Dafür, nur ein paar Meter weiter, befindet sich das Winchester College, die erste Public School (also Privatschule) in England. Es werden Führungen angeboten, jedoch sollte man sich vorher darüber erkundigen und unbedingt vorab anmelden um Enttäuschungen zu umgehen (einzusehen auf deren Website).

In wenigen Worten:
Alt. Beeindruckend. Historisch super interessant. Filmlocation für  Les Miserables, Harry Potter,… Allein die Mensa, noch genau wie vor 600 Jahren. Das Motto „Manners makyth man“ (Manieren machen einen Mann) wird noch heute eisern verfolgt. Das weibliche Geschlecht sucht man unter den Schülern vergebens, höchstens im Personal wird man fündig.

Ich hätte mich gern noch ein wenig mehr umgesehen, doch leider ist die Führung auf einige wenige Räumlichkeiten sowie dem Chambers Court und der Gothic Chapel begrenzt. Fotos sind nur auf dem Gelände erlaubt – aus Gründen der Sicherheit. Trotzdem dauert die Führung etwa eine Stunde und kostest 7 Pfund für Erwachsene. Es lohnt sich!

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Das Flüsschen Itchen

Leider spielte das Wetter vom Morgen nicht mehr mit. Ein Regenschauer folgte dem nächsten. Stoisch aß ich mein mitgebrachtes Sandwich unter meinem Regenschirm, hüpfte von einem Hauseingang zum nächsten, erwischte fünf trockene Minuten in denen ich am idyllischen, mit süßen Namen klingenden Flüsschen Itchen entlanglief, der Winchester-City-Mühle (die tatsächlich noch bzw. wieder Korn mahlt) einen Besuch abstattete und wenn die Zeit noch gereicht hätte und ich nicht so durchnässt gewesen wäre, dann wäre das Winchester City Museum noch in meine Gunst gekommen, ist es aber nicht. Mir wurde jedoch gesagt, dass es recht lohnenswert sei und der Eintritt ist frei. Vielleicht schafft ihr es dann ja, mal, irgendwann, eventuell, oder so.

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